TAKTIK macht Spaß – Grundlagenseminar Taktik für Reserveoffiziere

Teilnehmer des Grundlagenseminars 07.07.-09.07.2023 in München

Das Grundlagenseminar Taktik für Reserveoffizier und Unteroffiziere mit Portepee in herausgehobener Dienststellung wurde vom 07.-09.Juli 2023 von erfahrenen Taktik- und Logistiklehrern des Arbeitskreises Taktik im Reservistenverband, OTL a.D. Jürgen Baumer und OTL a.D. Manfred Bettendorf, durchgeführt. Für die Organisation sowohl in der Vorbereitung als auch während des dreitägigen Taktikseminars war Frau Ines Aschbauer, Organisationsleiterin der Geschäftsstelle MURNAU, verantwortlich.

30 Offiziere und Unteroffizier aus allen TSK und Organisationsbereichen fanden am Freitagabend den Weg zur Sanitätsakademie der Bundeswehr nach MÜNCHEN. Nach einer reibungslosen Einschleusung und Beziehen von Einzelzimmern begann um 18:00 Uhr die Ausbildung. Bei der Vorstellungsrunde wurde die heterogene Zusammensetzung der Ausbildungsgruppe, von Ärzten bis zum Zugführer eines Panzerzuges, vom Offizieranwärter mit vorläufigem DstGrd Major bis zum Oberst offensichtlich.

Die Veranstaltung begann mit einer umfassenden Einführung in die Grundlagen der Truppenführung der Bundeswehr. Die Teilnehmer erhielten eine Auffrischung zum Thema Stabsarbeit und militärische Symbole, die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der verschiedenen Kommandoebenen sowie die digitalen Übungsmöglichkeiten, welche (auch Reservisten!) mit SIRA zur Simulation von Führungsprozessen bestehen. Diese Einführung schuf eine solide Grundlage für das Verständnis der taktischen Planung und Führung.

Ein weiteres wichtiges Thema waren die Grundlagen des Führungsverhaltens von militärischen Führern und der Taktik. Den Teilnehmern wurden die verschiedenen taktischen Prinzipien und Konzepte vermittelt. Sie lernten unter anderem die Bedeutung der Aufklärung, des Feuerkampfs und der Bewegung in taktischen Operationen kennen. Diese Grundlagen bildeten das Fundament für die folgenden Diskussionen und Übungen. Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf den Grundsätzen der Operationsführung, und zwar nicht nur der eigenen Truppen (BLAU), sondern auch der gegnerischen Kräfte („ROT“). Die Teilnehmer erhielten einen detaillierten Einblick in die Planung, Vorbereitung und Durchführung von Operationen auf taktischer Ebene. Sie lernten, wie man die Lage analysiert, Ressourcen zuweist und Entscheidungen trifft, um den Erfolg einer Operation sicherzustellen. Des Weiteren wurden die Grundsätze des Gefechts der verbundenen Waffen behandelt. Den Reservisten wurde verdeutlicht, wie verschiedene Teile einer Streitkraft effektiv zusammenarbeiten, um eine überlegene taktische Wirkung zu erzielen. Sie diskutierten die Koordination von Infanterie, Panzertruppen, Artillerie und Luftwaffe und erhielten Einblicke in bewährte Verfahren und Taktiken, um die Kräfte optimal einzusetzen. Beim kameradschaftlichen Abendessen am Samstag waren die vorgenannten Themen dann auch Schwerpunkt der Gespräche der Teilnehmer.

Die Veranstaltung schloss mit der praktischen Anwendung des Führungsprozesses anhand eines konkreten Beispiels, der Taschenlage „HOHENHAMELN“. Die Teilnehmer wurden in ein taktisches Szenario versetzt und mussten im dialogischen Prinzip die Phasen des Führungsprozesses anwenden. Sie analysierten die Lage, folgten dem Führungsprozess und trafen Entscheidungen, um ihre Kräfte erfolgreich in einer Verteidigungslage zu führen. Diese Übung bot den Reservisten die Möglichkeit, ihre erlernten Fähigkeiten in der Praxis anzuwenden und wertvolles Feedback von den erfahrenen Ausbildern zu erhalten.

Insgesamt war das Grundlagenseminar Taktik eine intensive und lehrreiche Erfahrung. Die Teilnehmer erweiterten ihr Verständnis für die Truppenführung der Bundeswehr, die Grundlagen der Taktik, die Grundsätze der Operationsführung und des Gefechts der verbundenen Waffen. Durch die praktische Anwendung des Führungsprozesses konnten sie ihre Fähigkeiten stärken und sich auf die weiterführenden Ausbildungen vorbereiten. Die Veranstaltung förderte den Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen den Reservisten und trug zur Stärkung der gesamten taktischen Kompetenzen bei.

Florian von Grundherr

„Marschstraße – Ablauflinie – Angriffsachse“ – zweiter SIRA-Durchgang für Reservisten durchgeführt


Zum zweiten Mal, nach Anfang 2020, trafen sich Ende April Reserveoffiziere und -unteroffiziere in
Hammelburg zu einem einwöchigen SIRA-Durchgang vom 28.04.-05.05.2023. SIRA ist eine computer-
basierte, simulationsgestützte Rahmenübung, durch welche Führungsprozesse auf Bataillonsebene
geübt werden können.


Dem SIRA-Durchgang vorangegangen waren drei Blöcke von Wochenendausbildung zum Thema Taktik
an der Sanitätsakademie in München und Wildflecken. Dadurch waren bei den Reservisten die aktuelle
Vorschriftenlage, der Führungsprozess und seine Anwendung sowie die Grundlagen zu den
Einsatzgrundsätzen ‚Blau‘ und ‚Rot‘ gelegt oder aufgefrischt worden. Taktikausbildung hat vor allem vor
dem Hintergrund der derzeitigen geopolitischen Lage wieder an Bedeutung gewonnen.


Der Auftrag des eigenen Panzerbataillons war ein Angriff in die Flanke einer feindlichen MechInfDiv und
das Halten des Raumes über einen Zeitraum von 24 Stunden. Dabei stellte sich vor allem der Übergang
eines Flusses als Herausforderung dar.
Der erste Ausbildungstag war der Geländebesprechung im Raum Hammelburg gewidmet. Begleitet
wurden die Teilnehmer dabei durch Oberstleutnant Volker Hahn, dem stellvertretenden Leiter des SIRA-
Stützpunktes, der den Teilnehmern wertvolle Hinweise zur taktischen Einschätzung des Geländes und zu
praktischen Möglichkeiten eines Lagevortrags gab.
Durchgeführt wurden während der Ausbildungswoche zwei SIRA-Durchgänge. Eingesetzt waren die
Teilnehmer dabei in einer Reihe von Funktionen, so zum Beispiel, im Hauptgefechtsstand des Bataillons,
dem mobilen Gefechtsstand, dem Kompaniegefechtsstand, dem AVZ, der Zelle für Heeresflugabwehr
etc.


Von dem hohen Ausbildungsstand überzeugte sich auch der Kommandeur der Infanterieschule,
Brigadegeneral Michael Matz.
Unterstützt wurden die Teilnehmer auch durch Manfred Schreiber, Vize-Präsident für Militärische
Ausbildung des Reservistenverbandes, der nicht nur auf seine eigenen SIRA-Erfahrungen zurückgreifen
konnte, sondern auch die Rolle des Brigadekommandeurs in den beiden SIRA-Durchgängen übernahm.


Herzlich bedankten sich die Teilnehmer am Ende der Ausbildungswoche bei den Taktik- und
Logistiklehrern, dem Stammpersonal des SIRA-Stützpunkts Hammelburg und dem Verband der
Reservisten der Bundeswehr. Die Woche bot den Teilnehmer vielfältige Gelegenheiten, ihr taktisches
Wissen und Fähigkeiten auszubauen.


Wie geht es jetzt weiter? Der nächste SIRA-Durchgang ist für Oktober 2024 geplant. Der Schwerpunkt
wird dabei vor allem auf Verteidigung liegen, woran sich auch die vorgeschaltete Modulausbildung
ausrichten wird. Diese wird durch zusätzliche praktische Gefechtsstandausbildung ergänzt werden.


Nähere Informationen zur Taktikausbildung im Reservistenverband sind auf der neuen Homepage der
Taktik- und Logistiklehrer verfügbar: http://taktik-logistiklehrer.de/.


Autor: OTL d.R. Rene Schröder

Ohne die Reserve geht es nicht 


Als ehemaliger Lehrstabsoffizier Flugabwehreinsatz habe ich nach Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe, unabhängig von weiteren Verwendungen und zuletzt als Taktiklehrer im Reservistenverband, die in TODENDORF stationierte Flugabwehrraketengruppe 61 (FlaRakGrp 61) im Rahmen der Taktikausbildung unterstützt. Im Mittelpunkt stand stets das Zusammenwirken von Heer und Luftwaffe sowie der Führungsprozess der Landstreitkräfte. Dabei hat Taktik nicht immer Spaß gemacht, war aber zwingend notwendig.

Die FlaRakGrp 61 ist ein einmaliger und einzigartiger Unikatverband und verfügt zurzeit noch über das Waffensystem MANTIS (Modular, Automatic and Network capable Targeting and Interception System), dem leichten Flugabwehrsystem und dem Luftraumüberwachungsradar.

Aufgabe ist die bodengebundene Luftverteidigung im Nah- und Nächstbereich und umfasst den Schutz von beweglichen Landstreitkräften sowie Objekten und Räumen vor Bedrohungen aus der Luft.

Seit dem 4. April 2018 ist die FlaRakGrp 61 offiziell dem niederländischen Defence Ground Based Air Defence Command in VREDEPEEL unterstellt. Damit werden zwei Ziele verfolgt:

Die Bildung einer Task Force der bodengebundenen Luftverteidigungskräfte im Nah- und Nächstbereich sowie die Schaffung eines bi-nationalen Kompetenzzentrums zur Weiterentwicklung dieser Fähigkeiten.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat eine militärische Zeitenwende eingeleitet, sodass Deutschland in den kommenden Jahren ganz erheblich in die Luftverteidigung investieren wird und diese Fähigkeiten auch dem NATO-Bündnis zur Verfügung stellt.

Infolgedessen wird auch ab Sommer kommenden Jahres die FlaRakGrp 61 auf das neue Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM (Infra Red Imaging System-Tail Surface Launched Medium Range) umgerüstet. Damit können Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Kurzstreckenraketen bekämpft werden.

Allein aus dem derzeitigen Personalkörper wird ein erfolgreicher Aufwuchs kaum leistbar sein. Neben weiteren aktiven Soldaten werden auch zusätzliche Reservisten benötigt. Diese sind unverzichtbar und können die neuen Fähigkeiten aktiv ergänzen und verstärken.

Ohne die Reserve geht es nicht!

Was macht die FlaRakGrp 61 für die Reserve so attraktiv?

  • neue Herausforderungen und Chancen
  • ein neues innovatives Waffensystem
  • gelebte Multinationalität im Rahmen der Einsätze
  • einen einzigartigen und attraktiver Standort im echten Norden

Wir sehen uns in TODENDORF!

Hendrik Guttau

Oberstleutnant a. D.

Kontakt:

Stabsfeldwebel Raphael Baekler

+49 (0) 4385 59 2013

FlaRakGrp61Presse@bundeswehr.org