AUFBAUSEMINAR I vom 10.07. – 12.07.2026 in MÜNCHEN
Ein anspruchsvolles und intensives Ausbildungswochenende liegt hinter den Teilnehmern des Taktikaufbauseminars I. Der Reservistenverband hatte für das Wochenende vom 10.07. bis 12.07.2026 an die Sanitätsakademie der Bundeswehr eingeladen.
Im Mittelpunkt des Seminars stand das Panzergrenadierbataillon 514 in der fiktiven Lage „Verteidigung des Thüringer Beckens“.
Insgesamt 25 Reservisten aller Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche folgten der Einladung des Verbandes nach München, um ihre taktischen Fähigkeiten auf Bataillonsebene zu vertiefen. Neben deutschen Reservisten nahm auch ein Kamerad der italienischen Streitkräfte teil.
Die Planung und Vorbereitung im Vorfeld erfolgte durch die Geschäftsstelle Murnau durch Frau Ines Kreibich und vor Ort vertretungsweise durch Herrn Stabsfeldwebel d. R. Leonhard Edelhäuser. Beiden sei an dieser Stelle für die hervorragende Organisation gedankt.

Die hohe Qualität der Ausbildung garantierten zwei erfahrene Experten: Als Dozenten fungierten die beiden langjährigen Taktiklehrer Oberstleutnant a.D. Jürgen Baumer und Oberstleutnant a.D. Manfred Bettendorf. Mit ihrer umfassenden Erfahrung aus früheren dienstlichen Verwendungen – unter anderem in internationalen Stäben und Auslandseinsätzen – brachten sie eine außerordentliche Expertise in den Hörsaal ein und gaben wertvolle Einblicke in die Praxis.
Das Taktikaufbauseminar I baut auf dem Taktikgrundlagenseminar auf, das alle Teilnehmer bereits absolviert hatten. Das Taktikgrundlagenseminar führt anhand einer speziellen Lage in die Grundlagen der Taktik ein, wie z.B. taktische Symbole sowie das Lesen und Führen von Lagekarten. Im Fokus des Grundlagenseminars stehen eine Einführung in den Führungsprozess der Landstreitkräfte mit den Prozessabschnitten Lagefeststellung, Entscheidungsfindung, Planung und Befehlsgebung, die Grundsätze des Führungsverhaltens, die Auftragstaktik, das Führen von Kräften in Landoperationen nach dem Prinzip der Operation verbundener Kräfte und das Rollenverständnis des militärischen Führers.
Das zeitlich anspruchsvolle Programm des Taktikaufbauseminars I dagegen war an folgenden Lernzielen ausgerichtet:
Nach dem Abschluss des Ausbildungswochenendes kennen die Teilnehmer die Grundsätze der Führung im Gefecht in der defensiven Operationsart Verteidigung und können den militärischen Entscheidungsprozess nach Erhalt eines neuen Auftrages in der Rolle des Kommandeurs eines verstärkten Panzertruppenbataillons (vstk PzBtl/PzGrenBtl) anwenden.
Sie können den Entschluss als Schwerpunkt der Lage formulieren.
Die Teilnehmer können einen vorläufigen Operationsplan für den Einsatz ihrer Kräfte erarbeiten und die zutreffenden militärischen Symbole korrekt anwenden und können den Operationsbefehl erstellen.
Dabei sollen sie einen Lagevortrag zur Unterrichtung (LVU) ausarbeiten und vortragen können, um ihre Absicht, die Vorgehensweise und den Ansatz der Kräfte zu verdeutlichen.
Vorab wurden ein Link verschickt zum Zugriff auf Kursunterlagen, um im Selbststudium die im Grundlagenkurs gelernten Inhalte aufzufrischen und sich in die Rahmenlage und die Grundlagen der Verteidigung einarbeiten zu können.
Nachdem vorher alle Verwaltungsangelegenheiten und das Beziehen der Unterkunft erledigt wurden, begann das Seminar am Freitag um 18.00 Uhr pünktlich mit einer Einweisung ins Aufbauseminar, einer Vorstellungsrunde und einer Einweisung in die Taktikseminare im Rahmen des Lehrkonzeptes „Haus der Taktik“ der Taktik- und Logistiklehrer im Reservistenverband.
Nach einer Pause erfolgte dann die Einweisung in die Rahmenlage und in die Grundlagen der Verteidigung BLAU.
Um die Seminarziele zu erreichen, wurden am Samstag und Sonntag folgende Teilschritte der Entscheidungsfindung im Führungsprozess von den Dozenten im Vortrag vorgestellt und anschließend in 5 Gruppen praktisch bearbeitet und durch die Gruppen präsentiert:
Auswertung des Auftrages (AdA) mit der Identifikation der wesentlichen Leistung und Formulierung der Prüffragen, Beurteilung der Lage (BdL) mit Beurteilung der Einflussfaktoren (Geofaktoren, Zivile Lage, Feindliche Kräfte, Eigene Kräfte). Die Analyse der wesentlichen Einflussfaktoren – insbesondere Gelände, Feindlage und eigene Lage – basierte konsequent auf dem Schema „Ansprechen, Beurteilen, Folgern“. Dieses Verfahren erlaubt es,wechselseitige taktische Vor- und Nachteile schnell herauszuarbeiten. Ziel war es, daraus optimale Wechsel- und Stellungsräume abzuleiten: sowohl allgemein für gepanzerte Kampftruppen als auch spezifisch für das verstärkte Panzergrenadierbataillon 514.
Feststellen der Möglichkeiten eigenen Handelns Auf der Grundlage der erarbeiteten Ergebnisse erfolgte dann die Ermittlung der Möglichkeiten des eigenen Handelns. Diese wurden als Prinzipskizzen und in Entschlussform präsentiert.
Nach dem Kräfte- und Fähigkeitsvergleich von eigenen und Feindkräften wurden Vor- und Nachteile der Handlungsmöglichkeiten in der Bewertung und dem Abwägen der Möglichkeiten des eigenen Handelns gegenübergestellt und präsentiert.
Am Sonntagvormittag wurde dann von den einzelnen Gruppen der Entschluss in der gesamten Gruppe vorgestellt.

Besonderen Wert legten die Dozenten auf die korrekte Form und Einübung eines Lagevortrages zur Unterrichtung und die korrekte Entschlussform.
Der Vormittag wurde abgeschlossen durch den Ausblick auf die weiteren Aufbauseminare II (Geländeerkundung) und III (Führung im Gefecht) als Voraussetzung zur Teilnahme an der siebentägigen Simulationsübung im SIRA-System (Simulationssystem für Rahmenübungen) in HAMMELBURG vom 16.04.-23.04.2027. Dort können die Reservistinnen und Reservisten diese taktische Lage mit den Phasen des Führungsprozesses in einer computergestützten Gefechtssimulation unter realistischen Bedingungen einschließlich einer Geländebesprechung im Übungsraum üben. Ziel ist es, Handlungssicherheit bei Führungsprozessen von Zug- bis auf Bataillonsebene zu erreichen.
Insgesamt war es für alle ein herausforderndes Seminar und ein weiterer Schritt zum Höhepunkt der Ausbildung SIRA. Den Dozenten Oberstleutnant a.D. Jürgen Baumer und Oberstleutnant a.D. Manfred Bettendorf sei an dieser Stelle für ihren großartigen und engagierten Einsatz gedankt.
Interessenten aus den Dienstgradgruppen der Offiziere und Unteroffiziere mit Portepee in herausgehobener Dienststellung (Kompanie-Ebene, Zugführer, Kompanietruppführer, ab Bataillons-Ebene als S1- bis S6-Feldwebel) finden unter www.taktik-logistiklehrer.de die aktuellen Termine der kommenden Seminare und sind aufgerufen sich anzumelden und mitzumachen.
Autor: Stabsarzt d.R. Prof. Dr. Matthias Setzer
